Wer ist kokainsüchtig?

Manche von uns sagen ohne Zögern „Ich bins!“, andere sind sich nicht so sicher. Cocaine Anonymous glaubt, dass kein anderer entscheiden kann, ob jemand suchtkrank ist oder nicht. Eines ist aber sicher: Jeder einzelne von uns hat geleugnet, suchtkrank zu sein. Monatelang, jahrelang haben wir, die wir heute frei zugeben, kokainsüchtig zu sein, gedacht, dass wir Kokain kontrollieren können, während es tatsächlich uns kontrolliert hat.

„Ich nehms nur am Wochenende,“ oder
„Es kommt kaum vor, dass es meine Arbeit beeinträchtigt,“ oder
„Ich kann aufhören, es macht doch nur psychisch abhängig, stimmt’s?“ oder
„Ich zieh doch nur – ich rauch oder injizier nicht,“ oder
„Es ist diese Beziehung, die mich fertig macht.“

Viele von uns sind immer noch bestürzt, zu erkennen, wie lange wir weitergemacht haben, ohne jemals dasselbe High zu erleben, wie zu Anfang, und dass wir trotzdem immer noch darauf beharrten, immer noch daran glaubten – so verzerrt war unsere Wahrnehmung der Realität – , dass wir vom Kokain das bekamen, was sich uns in Wirklichkeit jedes Mal entzog.

Wir haben alles getan, um davor zu fliehen, einfach nur wir selbst zu sein. Die Lines wurden länger; das Gramm verschwand schneller; der Wochenvorrat hielt nur einen Tag. Wir sahen uns selbst Briefchen und Päckchen mit Rasierklingen ausschaben, wir kratzten die letzten Flocken aus den Ecken von braunen Flaschen, wir zogen oder rauchten jeden weißen Krümel vom Boden, wenn es uns ausgegangen war. Wir, die wir so stolz auf unseren wachen und befähigten Geist waren! Nichts war uns wichtiger als der Strohhalm, die Pfeife, die Spritze. Selbst wenn wir uns deshalb hundeelend fühlten, wir mussten es haben.

Manche von uns mischten Kokain mit Alkohol oder anderen Drogen und fanden in dieser Veränderung vorübergehend Erleichterung, aber am Ende verschlimmerte das nur unsere Probleme. Wir versuchten alleine aufzuhören, endlich, und schafften das auch für einige Zeit. Nach einem Monat bildeten wir uns ein, wir hätten alles unter Kontrolle. Wir dachten, unsere Körper wären gereinigt und wir könnten das alte High wieder bekommen mit nur der halben Menge. Dieses Mal würden wir vorsichtig sein und es nicht übertreiben. Aber wir fanden uns selbst genau da wieder, wo wir vorher waren, und schlimmer.

Wir sind nie aus dem Haus gegangen, ohne vorher zu nehmen. Wir hatten keinen Sex, ohne zu nehmen. Wir haben nicht telefoniert ohne Kokain. Wir konnten nicht einschlafen, manchmal schien es, als könnten wir nicht einmal atmen ohne Kokain. Wir versuchten, Jobs, Wohnungen, Städte, Beziehungen zu wechseln – überzeugt davon, dass unser Leben durch Umstände, Orte und Menschen verpfuscht wurde. Vielleicht sahen wir einen Kokain-Freund an Atemstillstand sterben, und nahmen immer noch weiter! Aber schließlich mussten wir den Tatsachen ins Auge sehen. Wir mussten zugeben, dass Kokain ein ernstes Problem in unserem Leben war – und dass wir suchtkrank waren.

„…und alle anderen bewusstseinsverändernden Substanzen“

Schritt Eins: Wir gaben zu, dass wir Kokain und allen anderen bewusstseinsverändernden Substanzen gegenüber machtlos waren – dass unsere Leben nicht mehr zu meistern waren.

Tradition Drei: Die einzige Voraussetzung für die C.A.-Zugehörigkeit ist ein Verlangen, mit Kokain und allen anderen bewusstseinsverändernden Substanzen aufzuhören.

Viele kamen zu Cocaine Anonymous mit einem der folgenden beiden Gedanken: „Ich habe selten (oder nie) Kokain genommen. Ich gehöre hier nicht dazu.“ oder „Was genau soll das heißen mit diesen ‚allen anderen bewusstseinsverändernden Substanzen‘? Ich kam zu Cocaine Anonymous weil für mich das Kokain ein Problem geworden war.“

Diejenigen von uns die schon länger in Cocaine Anonymous sind, haben solche und ähnliche Fragen und Aussagen bereits gehört; vielleicht waren es sogar unsere eigenen Worte. Mit der Zeit hat jeder bei uns festgestellt, dass unser wirkliches Problem nicht das Kokain oder irgendeine spezielle Droge war, sondern die Krankheit Sucht.

Manche von uns hatten nicht ein einziges Mal Kokain genommen. Manche nahmen eine Vielzahl unterschied-licher Drogen und für manche war es die Kombination aus Kokain und Alkohol und/oder anderen Drogen, die uns in Schwierigkeiten brachten und unser Leben unerträglich machten. Viele von uns benutzten Drogen wie einen Fahrstuhl: eine Substanz zum Rauffahren und eine andere zum Runterkommen.

Als wir versuchten die Kontrolle wiederzuerlangen, fanden wir raus, dass jeder Ersatz oder jede neue Kombination unweigerlich zum selben Ergebnis führt. Es war schwer aufzuhören und leicht anzufangen. Wieder und wieder machten wir die Erfahrung, dass Substitution uns nicht Genesung brachte. Wenn unser Körper nicht absolut frei von Drogen und Alkohol war, lauerte das besessene Verlangen nach Mehr von etwas immer in uns.

Stell dir mal vor was passiert, wenn eine Droge alle ist und du nicht an Nachschub kommst. Womit würdest du substituieren? Alkohol statt Heroin, Chrystal Meth für Kokain, Verschreibungspillen für was-auch-immer oder umgekehrt – die Liste könnte endlos weitergehen und es wäre auch egal. Der Punkt ist, Süchtige wie wir sind im Handumdrehen soweit, dass sie mit dem Ersatz auch nicht mehr aufhören können. Was immer wir nehmen, das Problem nicht aufhören zu können taucht wieder auf, und oft ist es dann schwerwiegender als zuvor.

Schließlich gewinnen wir die Einsicht, dass es bei jeder bewusstseinsverändernden Substanz zum Kontrollverlust kommt. Das Problem ist nicht die Droge unserer Wahl; das Problem ist die Krankheit Sucht. Mit ihrer alles einschließenden Dritten Tradition und Schritt Eins begrüßt C.A. jeden, der ein Drogen- oder Alkoholproblem hat und bietet eine Lösung.

Alkohol und Marihuana

Marihuana ist eine starke Droge, Alkohol ist eine bewusstseinsverändernde Chemikalie in flüssiger Form. Vielen ist nicht klar, dass diese sich von anderen Drogen kein bisschen darin unterscheiden, wie sehr sie uns in Schwierigkeiten bringen können. Ein Glas ist nie genug; ebenso wie ein Schuss, eine Nase, ein Zug nie genug ist. Wir sind große Künstler darin, eine Droge mit einer anderen zu kombinieren um unser nächstes High zu erleben.

War betrunken oder breit sein je das unbeabsichtigte Ergebnis davon, dass wir „nur“ ein Glas oder „nur“ ein Bier wollten? Ist es jemals vorgekommen, dass dein Urteils-vermögen getrübt oder deine Entscheidungsfähigkeit beeinträchtigt war als direktes Ergebnis von „nur“ einem Joint? Hat nur eins egal wovon je dazu geführt, dass du zwei oder drei oder mehr genommen hast von etwas noch stärkerem?

Viele von uns hatten nie das Gefühl, dass Alkohol und/oder Marihuana Teil unseres Problems sein könnten, aber nach ehrlicher Bestandsaufnahme und Arbeit in den Schritten müssen wir diese Ansicht meist revidieren.

Verschreibungspflichtige Medikamente

Das Einnehmen von verschreibungspflichtigen Medika-menten mag zeitweise medizinisch notwendig sein. Es ist jedoch gut möglich, dass unter dem Einfluss einer bewusstseinsverändernden Substanz unsere alten Denkmuster uns davon überzeugen, dass wir sie öfter einnehmen müssen als uns verschrieben wurde. Um Missbrauch zu verhindern, kann es helfen, einen aufgeklärten Arzt zu konsultieren, die Einnahme des Medikaments der Kontrolle einer zuverlässigen Person anzuvertrauen, und mit unserem Sponsor oder einem genesenden Süchtigen ehrlich zu kommunizieren.

Weder unser Körper noch unser Verstand erkennt den Unterschied zwischen Medikation aus legitimen Gründen oder zum Freizeitvergnügen.

Es ist bewährte Praxis, alle unsere behandelnden Ärzte und/oder Therapeuten einzubeziehen und um Unter-stützung zu bitten, während wir den Genesungsweg weitergehen. Beruhigungsmittel, Anti-Depressiva oder andere verschreibungspflichtige Medikamente plötzlich abzusetzen kann gefährlich oder gar tödlich sein, und sollte nur unter der Anleitung eines aufgeklärten Arztes geschehen.

Gängige nicht verschreibungspflichtige Medikamente

Gängige nicht verschreibungspflichtige Medikamente (wie z.B. Hustensaft oder Schmerztabletten die Alkohol und/oder Kodein enthalten, Diätpillen mit aufputschender Wirkung, stimmungsverändernde Antihistaminika) können ebenso ein Problem für uns darstellen wie Rauschgift. Wir empfehlen die Lektüre von Beipackzetteln! Es gibt etliche Produkte auf dem Markt, die gefährlich sein können für einen Süchtigen, der dazu neigt, einfach jede bewusst-seinsverändernde Chemikalien zu missbrauchen.

Nicht aufgeklärte Süchtige können für sich selbst und für andere eine Gefahr darstellen. Wir ermutigen dazu, dem Arzt bzw. dem Apotheker Fragen zu stellen. Sei deinem Sponsor gegenüber ehrlich, was du einnimmst oder was genau dir verschrieben wurde.

Denk daran, wir sind dem Kokain und allen anderen bewusstseinsverändernden Substanzen gegenüber machtlos. Schritt Eins ist ein guter Anfang, aber versäum es nicht, weiterzugehen. Ein spirituelles Erwachen ist das Ergebnis wenn wir alle Zwölf Schritte arbeiten – und die Lösung für das Problem Sucht.

Was also bedeutet „…und alle anderen bewusstseinsverändernden Substanzen“?
  • Es bedeutet, dass die gemeinsam gesammelte Erfahrung der Cocaine Anonymous Mitglieder besagt, dass das Problem Sucht nicht auf irgendeine einzelne Substanz beschränkt ist.
  • Es bedeutet, dass die Zwölf Schritte von C.A. nicht Drogen-spezifisch sind und dass Cocaine Anonymous keine Drogen-spezifische Gemeinschaft ist.
  • Es bedeutet, dass es für uns egal ist, ob du getrunken oder was du genommen hast; wenn du ein Verlangen hast aufzuhören, bist du hier willkommen!

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